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Projekt time - Kochaktion

Time Is on My Side!? - Die Zeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst - 7.2.2012 Luzern


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zur Hochschule Luzern


Armin Chodzinski zur Aktion:

Die Küche ist ein Produktionsort

Die Küche ist ein Produktionsort. Hier werden Nahrung, Gerüche, Rhythmisierungen, Macht, Verführungen, Arbeitsteilungen und nicht zuletzt Kommunikationen produziert.

Der Künstler (und Koch) Jörg Wagner choreographiert eine Speisenfolge, deren Dreh- und Angelpunkt das Ei bildet: Crepes, Kuchen, Eierlikör, Risotto, Suppe... Die Eier kommen von einem Bio-Bauernhof aus Luzern. Andere bewusst für den inhaltlichen Kontext des Symposions ausgewählte Ingredienzien wurden von dem Künstler präzise ausgewählt und mitgebracht.

Mit wenigen kommentierenden Sätzen fokussiert Jörg Wagner den Bedeutungskontext seiner kochenden Intervention:

„Es geht immer wieder darum, das Kochen entweder unheimlich lang dauert oder keinen Aufschub duldet. Ob der Apfel eine halbe Stunde herum liegt ist nicht so entscheidend, aber wenn der nächste Vortrag zu lange dauert, dann muss man abbrechen: Das Risotto ist fertig und dann muss es auch verzehrt werden, weil es sonst an Geschmack verliert.“

„Es geht beim Kochen, wie beim Essen immer wieder um Paradoxien, um Zeit-Pardoxien wie zum Beispiel bei dem Ei und der Henne. Kochen macht nicht viele Worte, es geht darum, dass man immer zur rechten Zeit, das Rechte tut!“

„Es wird immer wieder etwas zu Essen geben – es sind viele unterschiedliche Mahlzeiten – aber es kann sein, dass mal der eine dem Anderen den Vortritt lassen muss, dass man warten muss oder bevorzugt wird. Ein System, das dazu neigt sich über den Tag hinweg auszugleichen. Dieses Bewusstsein sollte man immer haben.“

Die Sätze, die Jörg Wagner sporadisch an das Symposion richtet, haben eine große Wirkung. Ähnlich wie die Regelblätter, definiert Wagner Handlungsanweisungen für das Kochen und die Nahrungsaufnahme, die als strukturierendes und klares Element von allen akzeptiert, sogar übererfüllt werden. Insbesondere die explizierte inhaltliche Verbindung zwischen Nahrungszubereitung und Symposion führt zu einem bewussten Umgang mit den Speisen. Eine Kommunikation entsteht, die die Wartezeiten genauso als Statement begreift, wie die Dramaturgie der Speisefolge selbst.

Darüber hinaus begleitet das Kochen das Symposion vor allem durch seine Duftfolgen. Geschieht die Produktion der Speisen fast lautlos, so ist der Geruch allgegenwärtig und wird zum Versprechen des Kommenden, aber auch zum Geruch des Inhaltes. Die Totalität der Sinnlichkeit, die das Kochen um das Symposion herum aufbaut, wird zu einem wichtigen Element, welches die Position unmerklich, aber fortwährend zwischen Vorder-, Mittel- und Hintergrund wechselt.

armin chodzinski


Galerie time_is_on_my_side

66 Bilder in der Galerie

Fotografie: Anna Graber und Jörg Wagner