Projektbereiche

Projekt Hausfrauenhimmel 2003

Ingke Günther/ Jörg Wagner
Marmeladekochen - Pucki trifft Erna Horn
Dominikanerkloster, Frankfurt M., 26.8. bis 25.9. 2003

Hausfrauenhimmel


Zwei Protagonistinnen der 30-50 er Jahre sind Anlass für Ausstellung und Veranstaltungsreihe: Pucki (Mädchenbuchfigur) und Erna Horn (Kochbuchautorin), die das (offizielle) Rollenbild dieser Jahre bestimmten. Uniform und auf den Haushalt getrimmt, dabei fast nahtlos an den Dreißigern anknüpfend, präsentierte sich dieses Rollenverständnis. Und einfach und klar formulierte das Bild hausfrauliche Fürsorge: "Das Wichtigste für ihn ist das Dessert", hauchte die adrette Hausfrau in einem Werbefilm der 50er und schon hatte sie einen glücklichen Gatten und die Paradiescreme auf Erden.
Dass die Wirklichkeit für viele, etwa Kriegswitwen, ganz anders aussah, die alleine ihre Familie zu ernähren hatten, wird in diesen offiziellen Bildern ausgeblendet.
Und heute? Individualismus, eine Fülle unterschiedlicher Lebensentwürfe und die Möglichkeit, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten sowie eine größere Bewegungsfreiheit zwischen den Geschlechtern, die große Freiheit beim Kochen, aber auch die große Unübersichtlichkeit und ein gesteigertes Bedürfnis nach Orientierung scheinen die Gesellschaft des beginnenden 21. Jahrhunderts zu prägen. Welche (Rollen-)Bilder spielen heute eine Rolle?


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Ausstellung:
Ingke Günther, Jörg Wagner: Marmeladekochen - Pucki trifft Erna Horn

Donnerstag, 28. August 2003, 19.30 Uhr: Vortrag
Elke Gaugele
Schurz und Schürze - Kleidung als Medium der Geschlechterkonstruktion
Wie kaum ein anderes Kleidungsstück wird die Schürze mit Weiblichkeit assoziiert - doch wie kam es zu dieser Verknüpfung? Von Kittelschürzen, Kinderschürzen, Schürzen-Nähkünsten und Schürzenjägern.
Dr. Elke Gaugele ist wissenschaftliche Assistentin am Institut für Kunst und Kunsttheorie, Abt. Textil der Universität zu Köln

Mittwoch, 3. September 2003, 19.30 Uhr: Kochaktion
Marmeladekochen mit Ingke Günther und Jörg Wagner
Auf den Spuren Erna Horns möchten wir mit Ihnen gemeinsam die Schätze dieses Sommers bergen.
An diesem Abend werden wir in den Ausstellungsräumen des Dominikanerklosters unsere Lieblingsmarmelade kochen und nehmen gerne Ihre Rezepte oder gleich die fertige Marmelade entgegen. Tauschen Sie Ihre Schätze gegen unsere oder reihen Sie Ihr Marmelade-Rezept mit Familientradition in unser Archiv für vortreffliche Konfitüre ein.

Donnerstag, 11. September 2003, 19.30 Uhr: Vortrag
Elke Schüller
Fini Pfannes - schillernder Paradiesvogel am Hausfrauenhimmel
Die extravagante, exzentrische und erfolgreiche Geschäftsfrau, Kochbuchautorin, Frauenverbandspolitikerin und Lobbyistin der Hausfrauen galt in den fünfziger Jahren als "populärste Frauenführerin Deutschlands" (Der Spiegel, 1955). Die professionelle, seit den 20er Jahren in Frankfurt lebende, Hausfrau setzte sich für die Entstaubung und Modernisierung des klischierten Hausfrauenbildes sowie die Anerkennung der Hausfrauenarbeit als Beruf ein, erkämpfte die ersten Tarifrechte für Hausgehilfinnen und plädierte für ein größeres staatsbürgerliches Bewusstsein und Engagement gerade der Hausfrauen.
Elke Schüller ist Sozialwissenschaftlerin und Wissenschaftliche Dokumentarin in Frankfurt.

Dienstag, 16.9. 2003, 19.30 Uhr: Vortrag
Barbara Rendtorff:
Mädchen heute - ganz anders als früher?
Es war ein zentrales Anliegen der Frauenbewegung, die Sozialisationsbedingungen von Mädchen so zu verändern, dass sie nicht in geschlechtstypische Bahnen gelenkt werden würden. Wie stellt sich die Situation heute dar? Sind Mädchen "ganz anders" als früher oder sind die geschlechtstypisierenden Wirkungen nur subtiler geworden?
Dr. Barbara Rendtorff ist Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin.

Dienstag, 23.9, 19.30 Uhr: Film und Vortrag
Mysterien des Haushalts
Küche und Kulinarik in Werbefilmen der 50er bis 90er Jahre.
Programm und Vortrag: Ursula von Keitz
Werbefilme spiegeln Mentalitäten wider, konstruieren und verfestigen Geschlechterrollen, ebenso, wie sie zaghaft auf genderspezifische Veränderungen reagieren. Das Programm dokumentiert am Beispiel von Werbefilmen und -spots der Konzerne Oetker und Maggi den Wandel der Hausfrauenrolle von der Backperfektionistin im Faschismus über die Gatten- und Familienbeglückerin der Adenauerära bis zum lockeren WG-Twen im Fun-Haushalt der 90er Jahre, wo auch Männer den Vorstoß zum Kochtopf geschafft haben.
Dr. Ursula von Keitz ist Filmwissenschaftlerin an der Universität Zürich und Dozentin an der dortigen Hochschule für Gestaltung und Kunst.

Forum im Dominikanerkloster
Kurt-Schumacher-Straße 23
60311 Frankfurt am Main

Kurator: Christian Kaufmann

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