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Projekt Kabul

KaBuL - Kalt, Bunt und Lecker (Erna Horn)

Die Helfer der Gastlichkeit unterwegs mit Erna HornDas neue Jahrtausend hat so begonnen, wie das alte geendet hat. "Fragen, Fragen, immer nur Fragen" behauptet nicht nur Puh der Bär. Es scheint, als ob auch heute viele Fragen noch immer offen sind - obwohl die Suchmaschinen immer raffinierter werden. Gerade im Privaten, im Häuslichen stellen sie sich täglich und unmittelbar neu. Zwar wächst die Sinnstiftungsindustrie mit ungeahntem Tempo, aber letztlich sind doch fast alle Antworten unverbindlich. Verbindlichkeit ist rar. Wenn man dann etwas Passendes gefunden hat, etwas Angenehmes oder Plausibles, kann man dem trauen? Kann man sich trauen, die Kategorie "richtig" aufzustellen? Wo fängt denn der Glaube an? Wo steckt man die Grenze von der eigenen zur anderen Welt? Auf die Frage: "Geht es dir gut?"
hört man immer häufiger: "Ja - im Rahmen meiner Möglichkeiten", und wer würde aus diesem Satz nicht die Sehnsucht heraushören, genau diesen Rahmen zu sprengen? Zufriedenheit ist out. Aber genau das macht uns unglücklich und konfus. Und wer will schon als "generation confused" in die Geschichtsbücher eingehen?

Auf all das hat Erna Horn eine Antwort - meist eine einfache und logische. Als die Welt noch die Welt war, naturgemäß, artig, hübsch - beschreibbar in ihren Tabus.
In den 30er bis 70er Jahren war Erna Horn eine außerordentlich erfolgreiche Beraterin in Sachen Alltagsgestaltung. Sie war über Jahrzehnte die wohl einflussreichste Autorin für den häuslichen Bereich im deutschsprachigen Raum. Neben unzähligen Kochbüchern (u.a. für fast alle Hersteller von Küchengeräten oder Lebensmittelfirmen) schrieb sie Anfang der 50er das Standardwerk "Die Hohe Schule der Lebensart". Hier werden sowohl alltägliche Umgangsformen, Gesundheit und Hygiene beschrieben, als auch ein Regelwerk für alle Arten gesellschaftlicher Anlässe erstellt. Dieses Werk bildet die Textgrundlage für "Keine Zärtlichkeiten vor anderen" und bestimmt inhaltlich den Ablauf.

KaBuL konfrontiert die heutige Zeit mit ihrem propagierten Verschwinden von Konventionen - das "anything goes" und die dabei entstehende Suche nach Halt sowie deren Befriedigung durch allerlei Sinnstifter - mit Erna Horns Werk und ihrer Ansicht, auf alle Fragen eine Antwort parat haben zu müssen. Die dabei entstehenden neuen Zusammenhänge werden theatral und bildlich in der regelhaften Form Erna Horns umgesetzt. Der daraus resultierende dynamische Prozess ist der dramaturgische Faden. Er ist eingebettet in sichtbare, erfahrbare, alltägliche Situationen des Zusammenlebens. Erna Horn ist als Mutter die Spielleiterin in diesem Haushalt. Als Spielbrett dient der aufgebaute Haushalt. Die Zuschauer sind die Spielfiguren und die Würfel sind KaBuL.

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"Keine Zärtlichkeiten vor anderen" im DOCK 4, 2004

Blick vom Wohnzimmer in die Küche, Sonntag, 18:05
"Keine Zärtlichkeiten vor anderen" ist ein Non-Stop-Theaterprojekt, eine Dauerinstallation. Die beiden Darsteller/Protagonisten Wagner und Weichenrieder errichten für drei Tage im Dock 4 einen Hausstand und leben in diesem.
Dieser Haushalt, bestehend aus Küche, Wohn- und Schlafzimmer, entspricht einer Durchschnittswohnung der 50er Jahre und überträgt das Lebensgefühl dieser Zeit auf die beiden Protagonisten. Die konsequente Umsetzung der Lebensbefehle Erna Horns gibt die Richtschnur für das Handeln vor.

Die Wohnung wird als Modell offen einsehbar im Zentrum des Theaterraums installiert. Der Besucher kann während der Öffnungszeiten zwischen 7.00 und 22.30 Uhr von außen das Geschehen in der Wohnung betrachten und es gibt die Möglichkeit, unmittelbar am Alltag teilzunehmen. Dazu muss man an der Wohnungstür im Bühnenraum klingeln und kann dann den Haushalt betreten - wer z.B. mittags klingelt, wird zum Essen an den Tisch gebeten.

An den drei Nachmittagen werden Spezialisten zu ausgesuchten Kulturtechniken wie z.B. Bügeln - Tischkultur - Körperpflege eingeladen, um ihr Wissen weiterzugeben und sich darüber auszutauschen.
An zwei Abenden bleibt die Wohnungstür für den Besucher verschlossen, da sich ausgesuchte Gäste im Haushalt befinden. Deren Treiben kann nur von außen betrachtet werden. Darüber hinaus kann man die beiden Protagonisten bei ihren Ausflügen ins Theater und zum Picknick in die freie Natur begleiten.


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