Projektbereiche

Mitarbeiter

Projekt brotzeit

Leitung: jörg wagner

brotzeit I. - Aktion mit Verzehr der brotzeit (1999)
brotzeit II. - Theater (2000/2002)
brotzeit III. - Bildobjekt (2000/2002)

I. Aktion

Brotzeit (1)Eine Mahlzeit mit Tischdecke und Messer ist in Plastik luftdicht eingeschweißt. Darin steckt, was nicht in Plastik gehört: Bauernbrot, Rohmilchkäse, Wurst, Eier, Salz, Gemüse. Gewöhnlich läßt die Art der Verpackung auf die Qualität der darin enthaltenen Lebensmittel schließen. Hier führt der zwischen Hülle und Inhalt klaffende Widerspruch zur Frage nach der generellen Essbarkeit dieser Mahlzeit.
Das Organische der Lebensmittel bleibt zwar sicht- und fühlbar, entzieht sich aber den Sinneseindrücken, die mit dem Essen unmittelbar einhergehen: dem Riechen und Schmecken. Die Nahrungsmittel werden zum gestalteten Bild, dessen Inhalt sich erst einlöst, wenn das Plastik aufgerissen und die Mahlzeit verzehrt wird. Dadurch wird das Bild zerstört und übrig bleiben die leere, nun formlose Plastikhaut, Brotkrumen und die Erinnerung an eine Mahlzeit.

II. Theater

Brotzeit (2)Durch die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Felix Ritter (felixritter@t-online.de) wurde brotzeit im Rahmen der Stadtrauminszenierung "ZeitenWende" in Gießen (2000) und zur Nacht der Museen im Dominikanerkloster in Frankfurt/M. (2002) Teil einer Theaterinszenierung. Am Beginn eines Wanderparcours erwarben die Teilnehmer an einem brotzeit-drive-in eine brotzeit und wurden mit einer Wanderkarte auf den Weg geschickt. An verschiedenen Orten trafen die Wanderer auf Schauspieler, die sie in szenische Aktionen verwickelten. Der brotzeit-Proviant wurde entweder an einer der verschiedenen Wanderstationen oder am Endpunkt des Weges verzehrt.

III. Bildobjekt

Brotzeit (3)brotzeit als Bildobjekt ist anteilig Ergebnis und Dokumentation der Aktion brotzeit. Die fotografische Ebene der Arbeit zeigt den Plastikbeutel mit Nahrungsmitteln und im Hintergrund eine Tischplatte, die auf den gewöhnlichen Ort für eine Brotzeit verweist. Das brotzeit-Foto ist auf einen Bildträger mit abgerundeten Ecken montiert, der mit Abstand zur Wand angebracht wird. Die tischplattendicken Ränder sind beige lackiert. Die neue Erscheinungsform der brotzeit läßt eine vermeintlich reale Platte assoziieren. Die Fotografie verliert ihren Dokumentationscharakter und wird zur Oberfläche, zum Bildobjekt an der Wand. Daraus ergibt sich ein Drittes, das über die sachlichen Gegebenheiten hinausweist und - wie die brotzeit selbst - die isolierte Betrachtung von Farben und Formen, die von Gegenständen abstrahiert sind, ermöglicht.


brotzeit

brotzeit Fotografie, Lack auf MDF, 63x38x3 cm, 2000